Warum es gut ist, dass die Windstalker einen Ersatzmast mit Ersatzgroßsegel hat
- Andreas Kicherer
- vor 5 Tagen
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Gestern ging es von Juelsmind nach Middelfart. Nach den sehr schönen Tagen mit moderaten Winden, bei denen wir die Genua 1 im Einsatz hatten, wehte es am Morgen wieder mit 5 bft aus West. Natürlich quer zum Liegeplatz. Mit guter Vorbereitung und viel Leinen know-how hat es dann aber geklappt. Angesagt waren 18 kn aus NW, deshalb haben wir die Fock 2 am Vorabend schon angeschlagen, und wegen des halben Windes uns entschlossen das Groß zu setzen.
Kaum war dies oben fingen die Böen auch schon wieder an auf über 20 kn bis 25 kn einzufallen. Und auch nicht aus NW sondern aus West, also hoch am Wind. Ach, wie haben wir diesen ungünstigen Starkwind in den letzten Tagen vermisst :-(.
Die Windstalker hat sich trotzdem manierlich verhalten und die Wellen mit über 6 kn gemeistert. Dann plötzlich ein sehr ungewöhnliches Geräusch im Großbaum. Ein Blick in das Großsegel, und das steht extrem bauchig. Ein Griff an die Nock, und ich spüre, dass die Lasche, die das Unterliek in Spannung halten soll, gerissen ist.

Schnell haben wir bei dem Wind und den Wellen das Groß geborgen. Gut, dass wir noch einen Reservemast mit einem weiteren "Großsegel" in Form des Besanmasten hatten. Dieses wurde flugs gesetzt, und in den mittlerweile Böen bis 30 kn konnten wir die Fahrt unter Besan und Fock 2 mit 5,5 kn weiter fortsetzten.
Hier hat sich einer der Vorteile einer Ketsch nochmal eindrucksvoll bewiesen.
Nach dem Anlegen haben uns Dagmar und Valentina in Richtung Legoland verlassen, und Bernd und ich haben uns an das Bergen des Großsegels gemacht. Gut, dass wir ein Rollsegel im Baum und nicht im Mast haben. Das letztere hätten wir bei Querwind im Hafen mit immer noch bis zu 25 kn sicherlich nicht bergen können. Aus dem Baum lies es sich aber problemlos, ohne das Segel zu setzen, bergen.
Dann die Frage, wie reparieren. An einen Segelmacher ist Samstag Nachmittag um 1500 nicht zu denken, also die Segelreparaturkiste ausgepackt, und geschaut was es gibt. Ein Gurtband war Dank des Zeisings von Pantaenius schnell gefunden, Nadeln und Segelgarn war auch vorhanden. Wie aber die Löcher in den sehr dicken Segelhals mit einer Verstärkung bringen. Ein erster Versuch mit einer über der Kerze erhitzten Nadel klappte zwar, war aber extrem Zeitaufwändig, musste die Nadel doch immer wieder erhitzt werden. Der Marlspieker war auch nicht durch das sehr enge Gewebe zu bekommen.
Als letzte Alternative, fiel mir noch der Akkuschrauber mit dünnem Bohrer ein. Mit dem hat es dann tatsächlich funktioniert. Nach 3 h harter Segelmacherarbeit konnten wir das Großsegel wieder einziehen.

Die Reparatur ist zwar nicht besonders schön, sollte aber halten :-)
Heute kommt die neue Crew an Bord, für die weitere Etappe zurück in den Nord-Ostsee-Kanal. Wir fahren aber erst morgen los, für die erste Eingewöhnungsphase wäre es heute zu rau.
Bleibt uns gewogen, Euer Skipper Hägar

Mensch Hägar. Dir scheint es ja wirklich nicht langweilig zu werden!
Weiterhin Mast- und Schotbruch, Silke