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Geduld ist die erste Pflicht des Seemanns/frau

3. Sept.
3 Min. Lesezeit

Seit gestern um 0730 umströmt das graue Wasser der Nordsee wieder den Bug unserer alte aber rüstigen Dame und Salzbuckel Windstalker. Wir nutzten die frühe Schleusung durch die Brunsbütteler Schleuse, um den ablaufenden Ebbstrom optimal zu nutzen.

Die neue Crew war guter Laune, bedeutete doch der heutige Tag die ersten Segelerlebnisse mit der Windstalker.

Gute Stimmung bei der Mädels- und Rentnercrew
Gute Stimmung bei der Mädels- und Rentnercrew

Die Windstärke war hervorragend, 4 bft, die Windrichtung auch nicht so schlecht, SW, was einige kurze Kreuzschläge bedeutete. Neben dem Fahrwasser liegt die Reede Brunsbüttel, in der wir diese Manöver gut ausführen konnten. Das enge Elbfahrwasser, mit doch einiges an Großschiffsverkehr, wäre dazu nicht geeignet gewesen, bzw. hätte uns sicher einen Anruf mit Rüffel der Brunsbüttel-Elbe-Traffic Überwachungsstation auf Kanal 68 eingebracht. So aber war es perfekt.

Kreuzen in der Reede von Brunsbüttel zwischen Neufelder Watt und Elbefahrwasser
Kreuzen in der Reede von Brunsbüttel zwischen Neufelder Watt und Elbefahrwasser

In der Spitze mit über 8 kn Fahrt über Grund waren die 17 sm trotz Kreuzschlägen in 2,5 h geschafft und wir sind sicher in Cuxhaven angelegt.

Unter Genua 3 und Besan, um schneller manövrieren zu können

Die Hafeneinfahrt in Cuxhaven liegt genau neben dem stark strömenden Fahrwasser, und wir mussten bei der Einfahrt mit voller Kraft voraus immer noch um die 30° vorhalten, um die enge Hafeneinfahrt zu treffen. In der Einfahrt selbst lässt der Strom schlagartig nach, und das Ruder muss förmlich herumgerissen werden, um nicht an der Mole zu schrabbern.

Nun bläst es selbst im Hafen wieder mit über 20 kn und in Böen bis 30 kn aus West, und für die nächsten Tage ist an ein Auslaufen Richtung Niederlande nicht zu denken.


Jetzt ist seemännische Geduld gefragt und diszipliniertes Abwarten auf ein günstiges Windfenster in den nächsten Tagen. Im Hafen harren auch noch einige Niederländer und sogar eine französische Besatzung aus, die einen ähnlichen Plan wie wir verfolgen.


Aber das Nordseebad Cuxhaven hat touristisch so einiges zu bieten. Hier gibt es sehr viele Menschen, die hier ihren Urlaub verbringen und die Stadt gibt sich alle Mühe diesen so interessant wie möglich zu gestalten. Z.B. steht auf einem Landvorsprung die berühmte Kugelbake. Ein sehr großes Seezeichen, erstmals im 18.Jhd. errichtet, um die Seefahrenden sicher in die Elbe und weiter nach Hamburg zu lotsen.

LI an der berühmten Kugelbake
LI an der berühmten Kugelbake

Neben der nautischen Bedeutung (ich bin immer sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die Seezeichen aufstellen, damit Seeleute wie wir sicher wieder nach Hause kommen) hatte die Kugelbake auch eine große emotionale Bedeutung für die vielen hunderttausenden Auswanderer nach Amerika im 19. Jhd.. War sie doch die letzte sichtbare Landmarke der geliebten Heimat vor der großen Überfahrt in das völlig Neue und Unbekannte. Und für die, die in der Neuen Welt ihr finanzielles Glück gefunden hatten, das erste Zeichen, dass sie nun wieder in den heimatlichen Gefilden sind, die sie vor Jahrzehnten verlassen hatten.


Bei dieser Bedeutung für so viele, oft verzweifelte und verängstigte Menschen beschleicht einen doch eine gewisse Ehrfurcht, wenn man an diesem Landvorsprung in der Nordsee steht.


Da der Wind die nächsten Tage es nicht mal zulässt die 30 sm nach Helgoland zu segeln, haben Julia und Katrin heute die Zwangspause genutzt, um mit dem Schnellkatamaran einen Ausflug zu dem roten Felsen zu unternehmen.


Bitte drückt uns weiterhin die Daumen, dass die mittelfristige Wetterprognose mit erst schwächerem Wind aus West und dann südlichen Winden um 4 bft am Sonntag und Montag eintritt, und wir die große Überfahrt nach dem Heimathafen Medemblik über die Nordsee wagen können.


Die Crew und Euer Skipper Hägar danken Euch herzlich dafür.

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